Stellungnahme zum Öltest in Auto Bild Klassik 11/2013

 

Vorab ein paar Rechenspiele – weil der Testbericht manche Ergebnisse in mg/kg aufführt, die in der wissenschaftlichen Literatur eher in ppm (parts per million) definiert werden:

1 Prozent = 102 = 10.000 ppm = 1 Teil pro Hundert = 1 %

1 µg (Mikrogramm) = 0,001 mg = 0,000001 g

1 mg (Milligramm) = 0,001 g

1 g (Gramm) = 1000 mg

1 kg (Kilogramm) = 1000 g

1 t (Tonne) = 1000 kg

also 10.000 mg = 0,01 Kilogramm bzw.  1 %


 1.)  Aussage Auto Bild Klassik: „ … Kalzium und Magnesium sollen den Motor sauber halten – zu viel davon greift jedoch die Dichtungen an …“

Wir von WAGNER Oldieoel konnten in der weltweiten Fachliteratur nirgends einen Eintrag finden, der belegen würde, dass Kalzium und / oder Magnesium negativ mit Dichtungsschnüren, Filz, Gummi, Kork, Kunststoff, Metall oder Dichtungspapier reagieren können.


2.)  Aussage Auto Bild Klassik: „ … Zink und Phosphor dienen als Verschleißschutz. Auch hier gilt: Weniger ist bei Oldtimern mehr …. “

In Wahrheit ist das absolute Gegenteil der Fall, weil in modernen Ölen gerade eben NICHT mehr so viele Verschleißschutzadditive auf Zink und Phosphorbasis enthalten sein dürfen, wie zu Oldtimers Zeiten!

Seit 1935 ergänzen ZDTP (Zinkdithiophosphat) - Verschleißminderer auf Zink- und Phosphorbasis das Motoröl. Diese sollen sich am Metall anlagern und dafür sorgen, dass das Schmieröl länger am Metall haftet. So mindern diese Additive die fressende Reibung von Metall auf Metall beim Kaltstart ebenso wie bei kurzfristigen Schmierfilmabrissen.

Dem Katalysator zuliebe findet in modernen Motorölen seit 1990 eine ständige Reduktion dieser klassischen ZDTP-Verschleißminderer statt.

Wenn  WAGNER Oldieoel also einen hohen Anteil an klassischen Verschleißschutzadditiven auf Zink- und Phosphor- Basis besitzt spricht das eben genau für ein gutes Oldtimer- Öl. Denn Oldtimer brauchen den Verschleißschutz auf Zink- und Phosphorbasis unbedingt.

 

3.)  Aussage Auto Bild Klassik: „ … Schwefel reduziert die Reibung, erzeugt aber bei der Verbrennung Schwefeldioxid, das sich als Säure im Öl anreichert ... „

Diese Aussage ist sachlich richtig und nicht zu beanstanden. Warum dann allerdings die beiden Öle mit dem höchsten Schwefelgehalt zu Testsiegern gekürt wurden, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis des Redakteurs.

Der Anteil Schwefel in  WAGNER Oldieoel 20W/50 HD- Öl beträgt lt. Testbericht 3.235 mg/kg = 0,3 % der Gesamtmasse. Der Normwert von Schwefel in modernen Motorölen beträgt 0,5% bis 1,8%.

WAGNER Oldieoel ist also als schwefelarm zu bezeichnen.

Warum formuliert WAGNER das Motoröl für Oldtimer schwefelarm? Weil Schwefel in hoher Konzentration weiche Metalle, wie z.B. Lagerbronze, Weißmetalllager oder Buntmetalle wie Kupfer und Messing angreifen kann. Und weil Schwefel - wie im Artikel richtig herausgearbeitet - bei Verbrennung Schwefeldioxid erzeugt, das Säuren im Ölbad bildet.

DESHALB gehört WAGNER Oldieoel zu den schwefelärmsten Motorölen am Markt.

 

4.)  Eine Bemerkung am Rande: Der Schwefelgehalt wird in der Tabelle der Testauswertung in Auto Bild Klassik übrigens mit der BN-Zahl gleichgesetzt. Das ist natürlich falsch. Die Klammer (BN- Zahl) gehört zur alkalischen Reserve – eine Zeile tiefer ;-)

 

5.) Im Text übersetzt der Redakteur die „BN (Base Number)“ mit „Säurezahl“. Das ist reißerisch formulierter Blödsinn. Die BN oder TBN (Total Base Number) ist natürlich die Basenzahl – nicht die Säurezahl. Auto Bild Klassik tut gerade so, als sei die Base der Teufel – im Gegenzug müsste dann also die Säure der rettende Engel sein … ;-)

Allerdings passt dieser Stil sehr gut zu den ersten beiden Absätzen dieses Artikels … Und auch zum gezogenen Fazit. Mit Nichts begründet – dafür aber populistisch– reißerisch formuliert. Eben eine Bild-Zeitung für Oldtimer- Interessenten ….

 

6.) Zur TBN (Total Base Number) nimmt der Artikel im Übrigen gleich mehrfach Stellung – die scheint dem Redakteur besonders wichtig gewesen zu sein. Warum, ist uns bei WAGNER Oldieoel völlig unklar.

Da das Thema ein bisschen komplizierter ist erst mal ein wenig Theorie:

Eine Base ist das Gegenteil einer Säure. Säuren neutralisieren Basen – und Basen neutralisieren Säuren. Basen erhöhen den ph-Wert einer Flüssigkeit – Säuren senken ihn.

Anders gesagt: JEDE Flüssigkeit ist immer entweder eine saure oder eine basische (alkalische) Flüssigkeit. Es gibt keine Flüssigkeit, die nichts von beidem ist.

Wasser z.B. hat einen ph-Wert zwischen 6 und 10. Wobei Werte bis 6 als sauer (Säure) gelten, Werte um 7 als neutral und Werte ab 8 als alkalische Flüssigkeit (Base).

Nun zur Praxis:

Motoröl MUSS zwingend basisch sein, um Säureeinträge im Öl neutralisieren zu können. Könnte das Öl die Säureeinträge nicht neutralisieren, würden Metalle und Dichtungen von den Säuren angegriffen und zerstört.

Viel schlimmer als die natürliche Alterung und Eigenoxidation des Öls sind Schwitzwasser und vor allem unverbrannte oder teilvergaste Kraftstoffanteile, die am Kolben vorbei ins Motoröl gelangen. Es leuchtet sicher ein, dass dieses Problem bei einem Oldtimer wesentlich häufiger vorkommt, als bei einem Neufahrzeug. Die größeren Toleranzen von Kolben und Kolbenringen, der Zustand alter Ölabstreifringe und ausgehärteter Ventilabdichtungen etc. pp.  – nahezu alle Bauteile an einem Oldtimermotor können den Ölkreislauf nicht annähernd so gut gegen Kraftstoffeinträge dichten, wie das bei modernen Motoren der Fall ist.

Kraftstoffeinträge bestehen oft aus starken Säuren – oder sie bilden in Reaktion mit Schwitzwasser und / oder Motoröl schnell solche Säuren. Aus diesem Grund hat das Motoröl einen Vorrat an Basen. Die Base im Vorrat neutralisiert die Säuren und verhindert so erfolgreich Korrosion und verschleißverursachende Verunreinigungen des Motoröls. Wie bei allen Säure-Base-Reaktionen wird der Basen-Vorrat während des Prozesses der Säuren-Neutralisierung nach und nach aufgebraucht.

Daher ist es sinnvoll, dem Frischöl einen ausreichenden Basen-Vorrat mitzugeben. Mit 9,75 mg Kaliumhydroxid (koh) / Gramm ist der Basen-Vorrat bei WAGNER Oldieoel hoch, aber nicht übertrieben.

Er trägt der Tatsache Rechnung, dass

a.  bei Oldtimern eben sehr viel mehr Säureeinträge stattfinden als bei modernen Fahrzeugen

b.  das Motoröl in Oldtimern nicht täglich heiß gefahren wird um Wasser- und Schadstoffeinträge zu verdampfen

c.   Oldtimer oft lange stehen und nicht neutralisierte Säuren in diesen Standzeiten verheerende Schäden anrichten würden

d.  entgegen aller Ratschläge gerade manche Oldtimer-Besitzer dazu, neigen den Ölwechsel zu verschleppen – oft wird das Motoröl sogar nur alle 2 Jahre gewechselt

e. ebenfalls entgegen aller Ratschläge in vielen Oldtimern aus falsch verstandenem Interesse am Öldruck viel zu zähes Motoröl gefahren wird

Es ist also keineswegs ein Fehler oder ein Versehen, wenn WAGNER seinem Oldieoel einen hohen Vorrat an Basen mitgibt. Und wir können beim besten Willen nicht erkennen, wo und wieso dieser hohe Basenschutz eine Gefahr für Dichtungen darstellen soll? Außer Nylon reagiert kein Kunststoff negativ auf basische Flüssigkeiten; Dichtungsschnüre, Filz, Gummi, Kork, Metall und Dichtungspapier tun es garantiert nicht.

 

7.) Als absoluten Grenzwert der BN- Zahl nennt der Artikel „sechs Milligramm KOH (Kaliumhydroxid) pro Gramm Öl“ – diese Zahl ist schlicht aus der Luft gegriffen. Wir bei WAGNER Oldieoel haben nach 15 Jahren, in denen wir uns um das Thema Motoröl für Oldtimer kümmern, einen ganz guten Überblick über die weltweite Literatur zum Thema. Und zwar die antiquarische UND die moderne. Einen solchen Grenzwert hat kein ernst zu nehmender Wissenschaftler je ermittelt oder veröffentlicht. Und – er würde aus den oben genannten Gründen auch keinen Sinn ergeben. Auch die Redaktion von Auto Bild Klassik konnte uns auf Nachfrage keinerlei wissenschaftliche Grundlagen für ihre Thesen und Annahmen präsentieren …

 

8.) Auch zum Thema Verunreinigungen sei noch ein Hinweis gestattet. Silizium zum Beispiel ist in Anti-Foam-Additiven enthalten – und diese wiederum werden bereits seit den 1920er Jahren im Motoröl eingesetzt, um zu verhindern, dass die Ölpumpe anstelle frischen, kühlen Motoröls nur heißen Ölschaum ansaugt. Es liegt in der Natur des gewählten Testverfahrens, dass solche gewollten, „positiven Verunreinigungen“ von ungewolltem, echtem Schmutz nicht unterschieden werden können.

Echte Öltests sind eben deshalb sehr, sehr aufwendig und entsprechend teuer. Aus einfachen Ölanalysen allerdings so weitreichende Erkenntnisse und Ergebnisse herauslesen zu wollen, wie Auto Bild Klassik das im viel diskutierten „Öltest“ versucht hat, funktioniert nicht. Erst Recht nicht, wenn man dann auch noch von falschen Thesen und willkürlichen Annahmen ausgeht.

 

Wir von WAGNER Oldieoel haben mit Absicht nicht sofort auf den „Testbericht“ reagiert, sondern die Auto Bild Klassik um Stellungnahme zu unseren kritischen Fragen gebeten.

Wir haben unterstellt, dass wir natürlich nicht davor gefeit wären, betriebsblind zu werden.

Und gefragt, ob Auto Bild Klassik neue, wissenschaftliche Erkenntnisse vorlägen, die hier bei uns in Schwaben vielleicht noch nicht angekommen wären?

Und wir haben Auto Bild Klassik gebeten, ihre Thesen und Annahmen zu begründen.

 

Leider war das den Redakteuren von Auto Bild Klassik nicht möglich. Sie haben sich darauf heraus geredet, dass diese Fachfragen nur für Fachleute von Interesse wären – und Laien dem sowieso nicht folgen könnten.

 

Daher sehen wir uns nun gezwungen, unsere Gegendarstellung hier öffentlich zu machen. Wir hoffen, wir konnten Ihnen unsere Sicht der Dinge nahe bringen – unabhängig davon, ob Sie nun Fachmann /-frau oder Laie sind.

 

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